1.8.07

Schwerelos auf Erden

Schwerelos auf Erden
leichter Gang belohnt
beschwert ohne Beschwerden
etwas ungewohnt

Mühen nicht zu Lasten
und die Schultern frei
schweres Los nicht hasten
und der Blick ganz neu

1.8.07

Drückeberg

Was nicht mehr drückt
ist das geglückt
der Schuh und auch die Last
ein Leben ohne Hast
doch was ist mit dem Scheitern
kannst du ohne erheitern

1.8.07

Noch mal gutgegangen

Keine Angst
die scheitern kommen
nicht auf den Scheiterhaufen
der hieße dann auch anders obwohl
viel fehlt nicht

1.8.07

Weißes Gespräch

Tisch gedeckt
Schweigen
daran
papierene Rede
beschrifteter
Zungen

3.8.07

Pubertäter

Die Poren verstopft
Verhalten verkopft
Glieder zergliedert
Körper angewidert
Mieder vermieden
Scheiden verschieden
Blass entblößt
Lüstern erlöst

14.8.07

Alte Liebe

Sie hatte mir das Herz gebrochen
ich sah sie dann nie wieder
Doch neulich war als hätt gerochen
den Duft ich ihrer Glieder

Ich stand am Bahnsteig um halb neun
früher stieg ich dort aus
Fast wollt ich nach dem Rechten sehn
in ihrem alten Haus

Dann stieg ich doch nicht in den Zug
er fuhr ohne mich ab
Erinnerung war mir genug
die ich zeitlebens hab

Ich stieg dann in den Zug zu dir
das war die Gegenwart
entgegengesetzt wird es mir
Ich treff mein Glück sehr zart

Warum will dieser Hans im Glück
an alte Zeiten denken
Weil es mir half ein gutes Stück
die Liebe dir zu schenken

Sie hatte mir das Herz gebrochen
wie andre später auch
Dann hab ich deinen Duft gerochen
Nun kribbelts mir im Bauch

14.8.07

Platz da

Platz sage ich dem Hund
Platz sag ich dem Ballon
Der erste bleibt gesund
der zweite stirbt davon

Hat dieser etwa mich
einfach nur falsch verstanden
und kam ganz fürchterlich
auf die Art sich abhanden

Ganz schrecklich dieser Vorfall
er tut mir furchtbar leid
Ich höre noch den Knall
der Hund biss zu derzeit

15.8.07

Hohes Bein

Ich streichele dein hohes Bein
es recht dir bis zum Po
Ein Foul kann das doch niemals sein
ballgleich ist er doch so

Der Rundung möcht ich Küsse schenken
und ließe sie mich ein
ich würde mich sanft in dich senken
und auch nicht Tor Tor schrein

15.8.07

Verbindungsmann

Klar es gibt eine Verbindung
zwischen Kopf und Gliederteil
Seh dich räkeln in Verwindung
werd ich oben unten geil

Und wenn du mich dann berührst
ist mein Kopf damit so voll
dass du ihn gleich mit verführst
und ich find es einfach toll

15.8.07

Außer sich

Ich bin etwas außer mir
sitz vor einer Scheißhaustür
und versuch zurückzulassen
was zu mir nicht mehr will passen

Es war in mir Teil des Ganzen
wurd bekämpft mit Speeren Lanzen
sprich mit Zähnen sehr zerkaut
und dann anschließend verdaut

Wieder wurd ihm zugesetzt
von Bakterien zersetzt
wanderte es in die Tüte
meines Darms du meine Güte

Und ich scheide es nun aus
das Benutzte muss heraus
es war doch nie ganz bei mir
also setz ichs vor die Tür

16.8.07

Mäuse-Express

Ich sah eine Maus flitzen
im Bahnhof auf dem Gleis
Ich habe mich gewundert
denn dort ist es nicht leis

Der Zug wurd bald erwartet
ich sah wie sie schnell rannte
als ob sie die Fahrpläne
in und auswendig kannte

War sie zu spät dran
wollte sie etwa einsteigen
und fand keine Treppe
vom Gleis zu den Bahnsteigen

Oder wollte sie studieren
den Gleisbau für die Mäusebahn
die sie bestimmt bald mit Ihresgleichen
unverzüglich in Angriff nahm

Zwischen Schotter und auf Schienen
flitzte sie schier unermüdlich
Es war Abend Regen troff
vielleicht sah sies unterschiedlich

War auch gar nicht mehr ganz so grau
alles durch das graue Mäuslein
und sie war wie ich dann auch
einigermaßen aus dem Häuslein

Ich bin alsbald eingestiegen
als der Zug kam glaube doch
sie wird ihm entkommen sein
irgendwo husch in ein Loch

Sie kann sich doch auch verstecken
zwischen Schotter oder Steinen
Manchmal Winzigkeit von Vorteil
ist will es mir nun erscheinen

19.8.07

Elementares Gedicht

Ich sah in Brühl
die Sonne blinken
gar nicht mal viel
ich wollte winken

Hab dann überlegt
rüber zu fahren
doch denk unentwegt
ich halt mich zum Narren

Am Ende frage ich
wenn du drüben bist
weißt du wirklich
ob noch Sonne da ist

Ich hab auf den Rutsch
spontan verzichtet
Bald war Sonne futsch
und ich hab gedichtet

© Jörg Wehner

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Lyrikstunde.