5.7.07

Gib mir einen Kuss

Gib mir einen Kuss
der bis zum Abend hält
wenn die Sonne versinkt
in der Untergangswelt

Gib mir einen Kuss
der den Tag überdauert
und nicht nur nach
dem nächsten lauert

Gib mir einen Kuss
und dann in der Nacht
noch einen was
hast du denn gedacht

7.7.07

Zahltag

Den Tag heut zahle ich
mit Wolkenwährung
zupfe mir vom weiß Aufgeplusterten
Geflockten etwas ab
leg es auf den Küchentisch
es zerinnt zu Tropfen
dass ich weine
Heut den Tag zahl ich
mit Tränen
die ich niemals träumte

10.7.07

Trügerische Ruhe

Trügerische Ruhe
soweit das Auge reicht
Trugbilder in Truhen
die der Blick abgleicht
Bist du schon entschwunden
oder nah bei mir
Weist nach schönen Stunden
du mir doch die Tür

11.7.07

Zeit ohne dich

Deine ganz anders
als meine vergangen
Ich blättere darin
Du kommst nicht vor
Ich vermisse dich sehr
in meiner vergangen

12.7.07

Elektrisierte Anmache

Worte geladen
Augen blicken
Lebenspanaden
aus freien Stücken

Irre Parabel
Ablehnung pur
Bin ganz passabel
Denkt sich wer stur

14.7.07

Du kamst

Du kamst zu mir
ein kleines Tier
gekrochen
wild versprochen

Du machtest klar
was darauf war
Entkommen will
ich nicht halt still

Du schmiegst dich
eng an mich
machst allerhand
mit deiner Hand

Wir werden froh
auch beide so
ich finde dich
hauchzart dein Ich

16.7.07

Praktisch Ruhe

Das Klopfen der Zeit
das Pochen
das Gemurmel dazwischen
der draußen

18.7.07

Luftlast

Die schwere Luft
sammelt sich in der Ebene
Grillen sägen daran
Vögel stoßen ihre Lieder
hinein
der Hahn tut einen
verzweifelten Schrei nichts
fällt zusammen

20.7.07

Im Seichten

Ich muss dir etwas mitteilen
Es geht nicht in einem Brief
Er würde sich nicht beeilen
wär nicht da bis ich schlief

Ich muss dir etwas zustecken
Es ist nicht ein Kassiber
aus Zellenecken
Wär dir das denn lieber

Ich muss dir etwas beichten
Es ist auch gar nicht schlimm
Ertrinke nicht im Seichten
Hier ist meine Liebe nimm

27.7.07

Die letzten Grillen

Abgedankte Felder
abgegrastes Land
Stoppeln Ähren Gelder
ab und durchgebrannt

Gerade stehen Halme
für die Luft Spalier
und vorm ersten Qualme
Insekten Quartier

Himmel so lala
schwer vorherzusagen
Wolken sind zwar da
kommen nicht zum Tragen

Müde zirpen Grillen
Griller zirkeln müde
anfangsschwach im Willen
Wurst aus Plastiktüte

Beinah ist die Stille
formvollendet Krach
kommt von dem Gestühle
Bein schläft ein wird wach

© Jörg Wehner

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Lyrikstunde.